Jugendkunstwerkstatt

Workshop


Thema: Protestzone – freie Meinung für jeden!
Künstler: Hendrik Vogel

Demokratie beruht darauf, dass ihr unterschiedliche Meinungen zugrunde liegen. Demokratie lebt von Emotionen wie Vertrauen und Hoffnung. Entsteht in einer Demokratie Angst, dann entstehen Proteste. Protest ist eine Reaktion auf gesellschaftliche Situationen oder eine bestimmte Art von Politik. Die „Free Speech Zones“ schaffen einen öffentlichen Raum für Protest. Protest hat als Form die Demonstration, ist organisiert, wird angemeldet und von der Polizei geschützt. Hat Protest somit auch eine Choreographie? Ist Protest performativ? Protest ist emotional. Protest ist hörbar. Protest ist laut. Bei einer Demonstration umgibt uns ein sogenanntes „Soundscape“, dies bezeichnet akustische Hüllen, die Personen an bestimmten Orten umgeben. Der Protest in den sozialen Medien dagegen ist leise. Gar schon still. Da die Grundlage des Protests die Sprache ist, ist diese Stille dann stiller Protest?

Kunst ist häufig eine Form des Protests, bzw. eine Spiegelung von gesellschaftlichen Geschehnissen und dem Darstellen von Missständen oder Ängsten. Es gibt verschiedene Kunstformen die „Audio“ als Mittel verwenden und Töne und/oder Worte in einen neuen Zusammenhang bringen: Hörspiel, Podcast, Musik oder ein Soundscape. Dabei kann Klang und vor allem Musik Emotionen hervorrufen, kann traurig oder aggressiv, leise oder laut sein und schafft emotionale Erinnerungen, an einen Ort, an eine vergangene Liebe, oder ein geschichtliches Ereignis wie z.B. der Song „Wind of change“ von den Scorpions, der heute als Lied-Synonym der deutschen Wiedervereinigung gilt. Wenn Musiker gesellschaftliche Emotionen und Ängste in Musik überführen, entstanden daraus auch immer wieder Bewegungen, wie z.B. das Woodstock-Festival 1969 – „3 Days of Peace & Music“, das zu einer politischen Dimension wurde. Heute bezieht vor allem der dt. HipHop in seinen Texten Stellung zum Zeitgeschehen, aber auch Satiriker wie Jan Böhmermann greifen gesellschaftlich-politische Themen auf und überführen diese mit den modernen Mittel in Protest.

Welche Rolle spielen die digitalen Medien in der Verbreitung und Äußerung von Protest heute? Wie reagiert das Internet auf politische Ereignisse? Welche Rolle kommt dabei den Medien und dem Journalismus zu? Welche Rolle haben Worte wenn sie still bleiben? Was sind die Themen gegen die es heute zu protestieren gilt, und in welcher Form können wir akustisch darauf aufmerksam machen?

Das Workshopergebnis bleibt vorerst offen, von Protest-Song (Instrumente mitbringen!) bis zu einem Hörspiel oder einer performativen choreographierten Klangperformance ist alles möglich. Ich freue mich darauf mit Euch kreativ zu protestieren!


Thema: "Reinszenierung von Inszenierung" - Darstellung von Protest durch Fotografie
Künstler: Julia Berlin

In den 60ziger Jahren brach der Fotojournalismus mit der herkömmlichen Form objektiver Dokumentation. Professionelle wie Amateur- Fotografen reagierten mit einer neuen Ästhetik körperlicher Anteilnahme inmitten des Geschehens. Was sich in den 60zigern durch reduzierte, harte Bildsprache, oft aus der Hüfte geschossen, verwackelt und körnig zeigte, möchten wir in diesem Workshop in der Neuzeit mit seiner medialen Überpräsenz neu interpretieren.

Nach einer kurzen Einführung in das Thema „Protest in der Fotografie“, möchte ich die Auseinandersetzung mit dem Thema auf eine erlebbare Ebene bringen, in dem die Teilnehmer sich gedanklich und physisch mit Ihrer Bildidee auseinander setzen und sich im wahrsten Sinne des Wortes, in sie hinein begeben. In Anlehnung an den Satz des Fotografen Dirk Gebhardt: „Die Darstellung von Protest durch Fotografie ist eine Reinszenierung von Inszenierung“ werden wir mit verschiedenen Materialien, die für Protest, Grenzen, Abschottung, ein NEIN oder HALT stehen können, wie bspw. Absperrband, Verpackungsmaterialien, Stellwänden, Stoffen eine vielschichtige Projektionsfläche erstellen, in der sich die Teilnehmer bewegen können und mit Licht Akzente setzten können.

Im Weiteren sollen die Teilnehmer Bilder von sich und Ihrer Umgebung erstellen, die im Anschluss mit Beamern auf die verschiedenen Hintergründe projiziert werden, in der sich die Teilnehmer dann auch bewegen. Die inszenierte Landschaft aus Material und den projezierten mehrdimensionalen Bildern stehen für die Welt, die Gesellschaft, in der wir uns befinden. Zu viel, zu laut, zu präsent. Inmitten dieses Geschehens steht der Mensch mit der Aufgabe sich zu positionieren in der Vielschichtigkeit der Interessen und Meinungen.

Im Ergebnis soll eine Serie an Bilder entstehen, die entweder eine Geschichte erzählt oder jedem Teilnehmer die Möglichkeit gibt, sein eigenes Bild zu komponieren.

Es steht den Teilnehmern frei sich zu überlegen, wie sie sich inszenieren möchten. Als Menschen der ausbricht, der „Halt“ ruft, der eine Meinung kund gibt, der protestiert, der erschöpft, beklemmt oder verunsichert ist. Der Sucht, der Findet.


Thema: „Porträt als Motiv der Aussage“- Selbstinszenierung und Künstlerischer Ausdruck

Künstler: Martin Ivicevic

Die Darstellung der eigenen Person von Künstlern diente in der Kunstgeschichte immer wieder auch als gesellschaftskritisches, subjektives Abbild. Die Mittel waren vielfältig und die Bandbreite der Darstellung reichte von Fotografie über Malerei bis hin zu Karikaturen.
Der Zweck der Selbstinszenierung verbunden mit einer spezifischen Aussage diente in der Bildenden Kunst als Mittel des Protestes gegen die akademisch aufgezwungene künstlerische Ausdrucksweise.
So entstanden neue und innovative Ideen wie der Expressionismus, der Kubismus, Pop Art und unsere heutige Popkultur. Die Tabubrüche der Künstler der letzten Jahrhunderte finden sich auch in der heutigen Kunst wieder. Dem zugrunde liegt der Wille zum Protest.
In der heutigen Zeit von Terroranschlägen protestiert man über Social Media. Die sozialen Netzwerke verbinden Menschen, stiften Gemeinschaften und geben die Möglichkeit innerhalb von Sekunden Anteilnahme zu zeigen. So zum Beispiel zeigten viele Menschen ihre Solidarität nach den Anschlägen von Paris, Berlin und London, indem sie ihr Profilbild in die jeweiligen Farben der Nationalflaggen änderten. Mithilfe von sozialen Netzwerken ist es uns so möglich ein Statement gegen den Terror und für unsere demokratisch-europäische Werte zu setzen.

Ist dies jedoch auch eine Art der Selbstinszenierung? Die subjektive Vermarktung über soziale Medien erreicht heute jeden. Doch was sagen sie aus? Einerseits hat uns diese Art der Vernetzung viele Dinge erleichtert. Doch was sind die negativen Auswirkungen?
Über diese Profile können wir uns selbst der Welt präsentieren, aber auch jemand ganz anders sein. Wie manche Künstler erschaffen wir ein Bild unseres Selbst.
Obamas „HOPE“ Kampagne mit seinen Porträt könnte man gleichstellen mit Figuren der Vergangenheit. Che Guevara. Karl Marx. Lenin. Napoleon. Ein Porträt wird zur politischen Aussage.

Das Porträt als Motiv ist eine Möglichkeit an das diesjährige Thema heranzutreten. Es ist individuell formbar, je nach Vorstellung der Teilnehmer. Es können historische oder gegenwärtige Personen oder Ereignisse, die für Veränderung in der Gesellschaft gesorgt haben, thematisiert werden. Ob als Karikatur, fotorealistisch oder expressiv ist ganz den Teilnehmern überlassen.
Auch Selbstporträts sind möglich. Als Zeitzeugen unserer Gesellschaft ist ein Autoporträt ein künstlerisches subjektives Abbild unserer Zeit.
Collagen wären ebenfalls eine Möglichkeit den künstlerischen Protest mit Medien zu verflechten. Wir richten uns gegen den Akademismus, den Kunst-Markt und starten einen Aufruf an die Gesellschaft sich zu beteiligen. Die Werke können als Gemeinschaftsprojekt wie ein Forum verschiedener Sichtweisen präsentiert werden.


Thema: Don't hate the media, become the media

Künstler: Dennis Nußbaum

Unter dem Motto "Don't hate the media, become the media" widmen wir uns dem diesjährigen KunstReich-Aufhänger "Protest". Hinter diesem Leitsatz steckt eine Aufforderung und Aktivität – meckern kann jeder, sich jedoch kritisch mit Themen auseinandersetzen tun die Wenigsten. 

"In the future everybody will be world-famous for fifteen minutes" …

... bedenkt man den heutigen Einfluss von bspw. YouTube oder Instagram, ist das Zitat Warhol’s von 1968 längst eingetreten. Dies birgt einerseits Vorteile, schaut man jedoch genauer hinter die Kulissen, verbirgt sich dort auch oft Kontrolle, Analyse, Profit oder Manipulation anstatt wertvolle Inhalte oder Informationen. Themen, die nicht so ansehnlich inszeniert werden wie die augenscheinliche Bühne selbst.

  Wir grasen die Medienlandschaften (z.B.: TV, Werbung und Social Media-Plattformen) ab,  nehmen diese genauer unter die Lupe und übernehmen selbst die Kontrolle, indem wir ihnen den Spiegel vorhalten und sie künstlerisch mit ihren eigenen Waffen, schlagen.

Eigene Ansichten und Denkweisen was diese Thematik angeht, sowie Dinge, die uns stören (oder vielleicht auch nicht stören) sollen kreativ, in kritischer Art und Weise, umgesetzt werden.

  Geplant ist es, per Graffiti-Technik, eigene Motive zu erstellen, die im Anschluss als sogenannte Cut-Outs zusammengetragen werden. In Form einer modulen Installation (collagenhaft und dreidimensional) schaffen wir uns eine eigene Bildfläche, die in ihrer Vielfalt auf mehreren Ebenen den Betrachter zum Nachdenken anregen soll. Das Gesamtkunstwerk wird anschließend ausgestellt.

  Das Projekt fördert hauptsächlich die bildende, darstellende Kunst und ihre Techniken aber soll auch das Denken anregen, wie man Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten, bzw. man diese im kreativen Sinne ein- und umsetzen kann.

  Street-Art und Graffiti ist ein Statement - ein Protest in künstlerischer und (sozial-)kritischer Auseinandersetzung gegen Ungerechtigkeiten jeder Art. „Street-Art without criticism is simply painting".


Thema: „Verboten, Verboten! Erlaubt, Erlaubt!“
Künstler: Maki Shimizu

„Ein Plakat ist ein großer, in der Regel mit Text und Bild bedruckter Bogen aus Papier oder Stoff, der an einer Plakatwand, einem Plakatreiter, einer Litfaßsäule oder einer anderen geeigneten Fläche in der Öffentlichkeit angebracht wird, um eine Botschaft zu übermitteln. Seinem Wesen nach ist das Plakat eine Mitteilung an eine anonyme Gruppe von Empfängern.“  (https://de.wikipedia.org/wiki/Plakat)

Unsere heutige Zeit wird bestimmt von den Auswirkungen der Medien auf die Gesellschaft. Medien sind Informationsträger, die jedoch beeinflusst werden durch die Kontrolle und Zensur der Mächtigen. Dieser Einfluss kann einschüchternd wirken. Das Plakat als Medium wurde in der Vergangenheit oftmals als Protestmittel und als Mittel der öffentlichen Meinungsäußerung verwendet. An diesen Gedanken knüpfen wir an und werden den Plakaten seine charakteristische Eigenschaft der Meinungsäußerung zurückgeben. In unserem Workshop werden wir die Plakatierung als Möglichkeit die Verbindung zwischen Absender und Empfänger als freie Kunst erleben und erleben lassen.